
Online kann man sich Zeit lassen. Man liest eine Nachricht, denkt kurz nach, tippt etwas, löscht es wieder und versucht es noch einmal. Beim persönlichen Treffen funktioniert das nicht ganz so bequem. Der andere sitzt plötzlich direkt vor einem – und jetzt soll sich daraus ein gutes Gespräch entwickeln.
Genau das macht ein erstes Date aber auch so interessant.
Denn beim Schreiben kann eine nette Unterhaltung funktionieren, obwohl man sich noch gar nicht kennt. Beim ersten persönlichen Treffen kommen plötzlich Stimme, Mimik, Humor, Pausen und spontane Reaktionen dazu. Man merkt viel schneller, ob aus einzelnen Nachrichten tatsächlich ein Gespräch zwischen zwei Menschen werden kann.
Und dafür braucht es meistens gar keine besonders originellen Fragen. Viel wichtiger ist, wie man aus einer Antwort das nächste Gesprächsthema entstehen lässt.
Ein gutes Gespräch ist kein Fragebogen
Eine der größten Fallen beim ersten Date ist der Versuch, möglichst viel über den anderen herauszufinden.
„Was machst du beruflich?“
„Was sind deine Hobbys?“
„Wo warst du schon im Urlaub?“
„Was machst du am Wochenende?“
„Hast du Geschwister?“
Alles völlig normale Fragen. Hintereinander gestellt können sie allerdings schnell nach Bewerbungsgespräch klingen.
Das Problem ist nicht die einzelne Frage. Das Problem ist, wenn auf jede Antwort sofort die nächste Frage folgt.
Interessanter wird ein Gespräch, wenn man bei einer Antwort kurz hängen bleibt.
Wenn dein Gegenüber beispielsweise erzählt, dass er vor ein paar Monaten in Portugal war, muss daraus nicht sofort die nächste Standardfrage nach dem Lieblingsurlaub werden.
Vielleicht sagt er:
„Ich war mit einem Freund in Portugal. Wir wollten eigentlich nur eine Woche bleiben.“
Daraus kann sich vieles entwickeln: Warum Portugal? Was ist passiert? Warum wurde es nur eine Woche? Was war dort besonders schön? Würde er wieder hinfahren?
Und plötzlich redet ihr nicht mehr über „Reisen“ als Thema, sondern über eine konkrete Geschichte.
Genau solche Geschichten machen ein Date lebendig.
Gute Gesprächsthemen sind solche, die etwas erzählen lassen
Es gibt Themen, bei denen Menschen meistens mehr von sich preisgeben können als bei einer einfachen Ja-nein-Frage.
Reisen gehören dazu. Essen ebenfalls. Musik, Filme, Hobbys, Sport, besondere Erlebnisse oder Orte, an denen man gerne Zeit verbringt.
Aber auch alltägliche Dinge können überraschend interessant werden.
Jemand erzählt vielleicht, dass er jeden Sonntag mit Freunden kocht. Daraus kann sich ein Gespräch über Essen entwickeln, über misslungene Kochversuche, Lieblingsgerichte oder darüber, wer in der Freundesgruppe eigentlich wirklich kochen kann.
Eine andere Person erzählt, dass sie morgens immer eine halbe Stunde zu Fuß zur Arbeit geht. Schon ist man bei Lieblingswegen, Musik auf dem Kopfhörer oder der Frage, ob man lieber mitten in der Stadt oder etwas ruhiger wohnt.
Das Entscheidende ist deshalb nicht, möglichst viele Gesprächsthemen beim ersten Date parat zu haben.
Es geht darum, ein Thema nicht sofort wieder loszulassen.
Reisen: Fast immer gut – wenn man mehr fragt als „Wo warst du?“
Reisen sind ein dankbares Thema, weil sie meistens mit Erlebnissen verbunden sind.
„Warst du schon einmal in Italien?“ ist eine brauchbare Einstiegsfrage.
Spannender wird:
„Was war bisher dein schönster Urlaub?“
Oder:
„Gab es schon einmal einen Urlaub, bei dem wirklich alles schiefgegangen ist?“
Solche Fragen geben dem anderen die Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen. Und Geschichten wiederum liefern automatisch neue Gesprächsansätze.
Vielleicht war der schönste Urlaub gar keine Fernreise, sondern eine Woche an der Ostsee mit Freunden. Vielleicht gab es einen völlig chaotischen Roadtrip. Vielleicht möchte jemand schon seit Jahren nach Japan.
Man erfährt dabei ganz nebenbei etwas über die Person – und nicht nur darüber, welche Länder sie bereits besucht hat.
Essen, Restaurants und kleine Alltagsvorlieben
Auch Essen ist ein erstaunlich gutes Date-Thema.
Nicht nur:
„Was isst du gerne?“
Sondern eher:
„Gibt es ein Essen, für das du jedes Diätvorhaben sofort vergessen würdest?“
Oder:
„Bist du eher der Typ, der im Restaurant immer dasselbe bestellt, oder probierst du alles aus?“
Das darf ruhig etwas spielerischer werden.
Denn gerade kleine Vorlieben erzählen oft mehr über einen Menschen, als man zunächst denkt. Wer kocht gerne? Wer hasst Spinat? Wer würde am liebsten jeden Sonntag frühstücken gehen? Wer bestellt beim Italiener grundsätzlich Pizza?
Es muss nicht alles tiefgründig sein.
Ein erstes Date darf auch einfach Spaß machen.
Hobbys – aber nicht als Aufzählung
„Was machst du in deiner Freizeit?“ ist eine der klassischen Datingfragen. Trotzdem kann sie schnell zu einer Liste führen:
„Ich gehe ins Fitnessstudio, treffe Freunde und fahre Fahrrad.“
Dann ist die Antwort eigentlich schon fertig.
Man kann aber nachhaken:
„Was machst du davon am liebsten?“
Oder:
„Wie bist du überhaupt dazu gekommen?“
Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, was jemand macht, sondern warum.
Vielleicht hat jemand vor zwei Jahren mit dem Klettern angefangen, weil ein Freund ihn mitgenommen hat. Vielleicht wird aus dem Hobby eine kleine Geschichte über einen Urlaub. Vielleicht stellt sich heraus, dass beide dieselbe Sache ausprobieren wollten.
So entstehen Gemeinsamkeiten häufig viel natürlicher, als wenn man gezielt danach sucht.
Musik, Filme und Serien: Leichtes Terrain mit Überraschungspotenzial
Musik und Filme haben einen weiteren Vorteil: Man muss nicht zwangsläufig einer Meinung sein.
Es kann sogar interessanter werden, wenn zwei Menschen völlig unterschiedliche Geschmäcker haben.
„Was hörst du gerne?“ ist ein Anfang.
„Welchen Song kannst du wirklich nicht mehr hören?“ kann wesentlich mehr Spaß machen.
Auch bei Filmen oder Serien darf man ruhig etwas persönlicher werden:
„Welchen Film könntest du dir immer wieder anschauen?“
„Welche Serie hast du viel zu schnell durchgeschaut?“
„Bei welchem Film musstest du überraschenderweise richtig weinen?“
Das sind keine Fragen, die man unbedingt stellen muss. Aber sie können helfen, wenn das Gespräch gerade etwas ins Stocken gerät.
Über die Arbeit reden – aber bitte nicht wie im Vorstellungsgespräch
Der Beruf gehört natürlich zu den Dingen, die man beim Kennenlernen wissen möchte. Schließlich nimmt Arbeit bei vielen Menschen einen großen Teil des Lebens ein.
Nur sollte das Gespräch nicht bei Berufsbezeichnung und Arbeitszeiten stehen bleiben.
Interessanter ist oft:
„Was magst du an deinem Job eigentlich?“
Oder:
„Was würdest du machen, wenn du morgen etwas völlig anderes anfangen könntest?“
Damit kommt man möglicherweise zu Interessen, Träumen und Dingen, die jemand sonst nicht unbedingt beim ersten Kennenlernen erzählt.
Und wenn jemand seinen Beruf liebt, kann daraus ebenfalls ein interessantes Gespräch entstehen.
Humor ist vielleicht eines der besten Gesprächsthemen
Humor lässt sich schlecht planen. Genau deshalb ist er beim Date so wertvoll.
Eine kleine Beobachtung über das Restaurant, ein Missgeschick auf dem Weg zum Treffen oder eine völlig belanglose Alltagssituation kann manchmal mehr Nähe schaffen als zehn vorbereitete Fragen.
Man muss dafür auch nicht besonders witzig sein.
Oft reicht es, gemeinsam über etwas zu lachen.
Und vielleicht merkt man dabei schon etwas Entscheidendes: Wie funktioniert der Humor des anderen?
Kann man miteinander herumalbern? Versteht man Ironie? Darf auch einmal etwas albern sein?
Das lässt sich in keinem Datingprofil wirklich vollständig beschreiben.
Wenn die Unterhaltung einmal persönlicher wird
Nicht jedes erste Date bleibt bei Urlaub, Essen und Serien. Manchmal entwickelt sich das Gespräch ganz automatisch in eine persönlichere Richtung.
Dann kann es durchaus interessant sein, über Wünsche, Vorstellungen vom Leben oder Dinge zu sprechen, die einem wichtig sind.
Dabei muss man nicht gleich die großen Lebensfragen auf den Tisch legen.
Statt:
„Wo siehst du dich in zehn Jahren?“
kann eine beiläufige Frage viel natürlicher sein:
„Gibt es etwas, das du unbedingt noch einmal ausprobieren möchtest?“
Oder:
„Wenn du ein Jahr komplett frei hättest – was würdest du damit machen?“
Solche Fragen können überraschend viel über einen Menschen erzählen, ohne dass das Date plötzlich zur Zukunftsplanung wird.
Und was, wenn plötzlich niemand mehr etwas sagt?
Eine Gesprächspause ist nicht automatisch ein schlechtes Zeichen.
Das wird beim Dating häufig unterschätzt.
Zwei Menschen, die sich gerade erst kennenlernen, können unmöglich eine komplette Abendveranstaltung ohne Unterbrechung mit Worten füllen. Manchmal wird getrunken, gegessen oder einfach kurz beobachtet, was um einen herum passiert.
Auch ein paar Sekunden Stille können völlig normal sein.
Wer jede Pause sofort mit der nächsten Frage füllen möchte, macht sich selbst unnötig Druck.
Manchmal ist sogar ein lockerer Satz besser als der Versuch, krampfhaft ein neues Thema zu finden:
„Jetzt haben wir gerade beide gleichzeitig unser Gesprächsthema verloren.“
Das kann einen kurzen Moment der Unsicherheit sogar in einen gemeinsamen Lacher verwandeln.
Und danach findet sich häufig ganz von selbst wieder etwas.
Was man beim ersten Date lieber nicht zum Pflichtprogramm macht
Natürlich gibt es Themen, bei denen etwas Fingerspitzengefühl angebracht ist.
Der oder die Ex, Geld, sehr persönliche Familienprobleme oder kontroverse politische Themen können beim ersten Treffen funktionieren – müssen aber nicht.
Es gibt dafür keine universelle Verbotsliste.
Wenn zwei Menschen nach einer halben Stunde über Politik diskutieren und dabei merken, dass sie genau daran Spaß haben, ist das etwas anderes als ein Date, bei dem einer dem anderen ungefragt die komplette Geschichte sämtlicher vergangener Beziehungen erzählt.
Entscheidend ist deshalb weniger welches Thema angesprochen wird als wie es sich entwickelt.
Und vor allem: Hört man dem anderen eigentlich zu?
Zuhören ist wichtiger als die perfekte Frage
Das ist wahrscheinlich der Punkt, der bei vielen Datingtipps zu kurz kommt.
Man kann die hundert besten Fragen für ein erstes Date kennen und trotzdem ein schlechtes Gespräch führen.
Denn wenn man nur darauf wartet, selbst wieder etwas sagen zu können, merkt man oft gar nicht, was der andere gerade erzählt.
Ein gutes Gespräch funktioniert eher wie ein Ball, der hin und her gespielt wird.
Der andere erzählt etwas. Du greifst einen Teil davon auf. Du erzählst vielleicht etwas Ähnliches von dir. Daraus ergibt sich wieder eine neue Frage oder eine kleine Geschichte.
So entsteht ein Gespräch, das irgendwann nicht mehr nach Fragen und Antworten aussieht.
Und genau dann wird es meistens interessant.
Wenn ihr vorher schon online geschrieben habt
Bei einem Online-Date gibt es häufig bereits eine kleine Vorgeschichte. Vielleicht habt ihr über Hobbys geschrieben, über Musik gesprochen oder schon ein paar persönliche Dinge ausgetauscht.
Das kann beim ersten Treffen ein großer Vorteil sein. Du musst nicht wieder bei null anfangen.
Wenn ihr beispielsweise beim Schreiben über einen bestimmten Urlaub gesprochen habt, kannst du später einfach daran anknüpfen:
„Du hattest doch erzählt, dass du dort diesen völlig verrückten Ausflug gemacht hast. Wie kam es eigentlich dazu?“
Damit zeigst du gleichzeitig, dass du zugehört hast.
Wenn du wissen möchtest, wie man bereits beim ersten Kontakt online ein interessantes Gespräch entstehen lässt, findest du hier unseren Artikel „Was schreibt man beim Online-Dating?“.
Beim persönlichen Treffen verändert sich die Situation allerdings: Jetzt geht es nicht mehr nur darum, eine gute Nachricht zu formulieren. Jetzt sitzt der andere Mensch direkt vor dir.
Nicht jedes Date braucht spektakuläre Gespräche
Manchmal wird beim ersten Treffen zu viel erwartet. Es soll sofort knistern, man möchte interessante Geschichten erzählen, möglichst witzig sein und gleichzeitig herausfinden, ob der andere der passende Partner sein könnte.
Dabei darf ein Date auch einfach ein ganz normales Gespräch sein.
Vielleicht geht es zwanzig Minuten um Urlaub, danach um Arbeit, anschließend um ein Restaurant, in dem beide schon einmal waren. Irgendwann erzählt einer eine völlig belanglose Geschichte und beide lachen darüber.
Das klingt zunächst nicht nach dem großen romantischen Moment.
Aber vielleicht merkt man gerade dabei, dass man sich miteinander wohlfühlt.
Die besten Gesprächsthemen entstehen oft erst beim Reden
Deshalb muss man vor einem ersten Date auch keinen mentalen Fragenkatalog auswendig lernen.
Ein paar gute Einstiegsthemen können hilfreich sein. Noch wichtiger ist aber die Bereitschaft, bei einer interessanten Antwort kurz stehenzubleiben und wirklich zuzuhören.
Denn das schönste Gespräch ist selten das, bei dem beide möglichst viele Informationen über den anderen sammeln.
Es ist das Gespräch, bei dem man irgendwann nicht mehr darüber nachdenkt, welches Thema als Nächstes dran ist.
Man spricht einfach weiter.
Und vielleicht stellt man irgendwann fest, dass der Abend schon deutlich weiter fortgeschritten ist als gedacht.
Das ist dann meistens ein ziemlich gutes Zeichen – nicht unbedingt dafür, dass gerade die große Liebe vor einem sitzt, aber zumindest dafür, dass aus zwei Menschen, die sich bisher nur online oder aus einem Profil kannten, gerade ein echtes Kennenlernen geworden ist.